Wie kann ich mich trotz Angst freuen?

Wer den Namen dieser Webseite liest, denkt vielleicht zuerst: „Das klingt schön, aber wie soll das funktionieren?“ Genau das hätte ich früher wahrscheinlich auch gedacht. Lange Zeit war ich überzeugt, dass Lebensfreude und Angst nicht zusammenpassen. Für mich gab es nur zwei Möglichkeiten: Entweder die Angst gewinnt oder das Leben. Beides gleichzeitig schien unmöglich.

Wenn die Angst das Leben bestimmt

Wenn Angst über einen längeren Zeitraum das Leben bestimmt, verändert sich vieles im eigenen Leben. Die Gedanken kreisen ständig um Symptome, Sorgen und mögliche Gefahren. Die Angst ist immer da, auch diese Gefahr der nächsten Panikattacke.

Man beobachtet den eigenen Körper, analysiert jede Veränderung und fragt sich immer wieder, wann endlich alles wieder normal wird. Ich kenne diese Gedanken nur zu gut. Es gab Phasen, in denen sich nahezu jeder Tag um die Angst drehte.

Damals hätte ich niemals gedacht, dass ich irgendwann eine Webseite über Lebensfreude trotz Angst schreiben würde. Schon das Wort Lebensfreude fühlte sich weit entfernt an. Es klang nach einem Zustand, den andere Menschen erleben, aber nicht ich.

Das Leben findet nicht irgendwann später statt

Viele Jahre habe ich geglaubt, dass ich erst angstfrei werden muss, bevor ich mich wieder freuen kann.

Doch während ich auf diesen Zeitpunkt wartete, verging das Leben. Tage wurden zu Wochen, Wochen zu Monaten und irgendwann merkte ich, dass ich mein Leben ständig auf später verschob. Immer gab es diese Bedingung: Erst muss die Angst verschwinden, dann kann ich mich wieder freuen.

Heute weiß ich, dass dieses Denken unglaublich viel Zeit und Lebensqualität kostet. Denn niemand kann garantieren, ob und wann die Angst verschwindet. Manchmal wird sie weniger, dann wieder stärker. Es gab auch Zeiten, da war sie einige Tage verschwunden.

Wenn das eigene Glück davon abhängt, dass nie wieder Angst auftaucht, macht man sich selbst zum Gefangenen dieser Angst. Das ist mir heute bewusst.

Für mich begann sich etwas zu verändern, als ich akzeptierte, dass die Angst möglicherweise Teil meines Lebens sein würde. Es wurde mir immer mehr klar, dass ich diese Angst und Panik niemals verdrängen kann, oder sie bekämpfen darf. Und, die Angst darf mein Leben nicht bestimmen, sonst ich selbst muss das tun, sonst bin ich der Sklave meiner Angst. Das wollte ich nicht mehr sein.

Die schönsten Momente kamen nicht nach der Angst

Rückblickend ist etwas Interessantes passiert. Viele der schönsten Momente der letzten Jahre hatte ich nicht, nachdem die Angst verschwunden war. Ich hatte sie, obwohl die Angst noch da war.

Ich erinnere mich an Spaziergänge, bei denen ich mich eigentlich unruhig fühlte und trotzdem die Natur genießen konnte. An Gespräche mit Menschen, die mir wichtig sind. An kurze Ausflüge zu Freunden, bei denen die Angst mit im Gepäck saß, die aber trotzdem wunderschöne Erinnerungen hinterlassen haben. An ganz normale Tage, an denen ich plötzlich merkte, dass ich seit Stunden gar nicht mehr über meine Symptome nachgedacht hatte.

Früher hätte ich solche Momente gar nicht für möglich gehalten. Ich dachte immer, Freude sei nur dann möglich, wenn man vollkommen entspannt und sorgenfrei ist. Das stimmt nicht. Menschen sind viel komplexer. Man kann Angst haben und trotzdem lachen. Ich war immer noch angespannt und trotzdem habe ich schöne Tage erlebt. Manchmal waren es auch Kummer und Sorgen, trotzdem war ich dankbar. Und diese Dankbarkeit war auch etwas, das mich mit Freude erfüllt hat. Es klingt einfach, vielleicht sogar unmöglich, aber es ist so.

Genau das hat meinen Blick auf das Leben verändert. Die Angst war nicht mehr das einzige Gefühl. Neben ihr gab es wieder Platz für andere Dinge. Für Interesse und Neugier. Auch für Hoffnung und Freude.

Lebensfreude – unsere Vorstellungen

Vielleicht liegt ein Teil des Problems darin, dass viele Menschen eine falsche Vorstellung von Lebensfreude haben. Oft denken wir dabei an große Glücksgefühle, spektakuläre Erlebnisse oder permanente gute Laune. So ist das echte Leben aber selten.

Ich weiß noch, wie wir bei Freunden saßen, die knapp 100 km von uns entfernt wohnen. Alleine die Vorstellung mit dem Auto dorthin zu fahren, machte mir Angst. Es könnte ja was passieren, ein Unfall. Und dann? Also freute ich mich nicht mehr. Ich hatte einfach Angst. Als ich mit meiner Frau darüber sprach, haben wir uns ausgetauscht und sie meinte nur: „Denke doch daran, wie sehr sie sich freuen, wenn wir kommen. Du musst nichts Besonderes tun, einfach nur da sein.“ Ich war dann dankbar dafür, dass wir liebe Menschen als Freunde haben und das hat mich dankbar gemacht. Ja, ich freute mich dann einfach nur auf das gemeinsame Zusammensein mit ihnen.

Für mich zeigt sich Lebensfreude heute meistens in kleinen Dingen. In einem guten Gespräch mit lieben Menschen. Oder auch dem Kaffee am Morgen. Einem Spaziergang. In einem Tag, der einfach normal verläuft.

Früher wären mir viele dieser Momente gar nicht aufgefallen. Mein Fokus lag fast ausschließlich auf der Angst. Ich suchte ständig nach Anzeichen dafür, wie es mir geht. Wie stark die Symptome sind. Ob die Angst heute schlimmer wird. Dadurch übersah ich vieles, was direkt vor mir lag.

Irgendwann wurde mir klar, dass Aufmerksamkeit eine enorme und negative Kraft hat. Worauf wir unseren Blick richten, bekommt automatisch mehr Bedeutung. Wenn man den ganzen Tag nur auf Angst, Symptome und Sorgen schaut, wirkt die Welt irgendwann entsprechend klein und bedrohlich. Als ich dann meinen Blick langsam wieder auf das Leben richtete, entdeckte ich Dinge, die ich früher nie gesehen hätte.

Warum es diese Webseite gibt

Diese Webseite ist nicht entstanden, weil ich alle Antworten habe. Sie ist auch nicht entstanden, weil ich mich für einen Experten halte.

Ich weiß, wie hoffnungslos sich manche Phasen anfühlen. Und ich weiß, wie schwer es sein kann zu glauben, dass bessere Zeiten möglich sind.

Deshalb möchte ich hier einen anderen Blick auf das Thema Angst zeigen. Einen Blick, der nicht nur aus Symptomen, Diagnosen und Problemen besteht.

Denn, es gibt trotz Angst schöne Momente, auch Hoffnung. Da sind diese Ziele, Träume, Begegnungen. Wir machen viele Erfahrungen.

Das Leben ist viel mehr als Angst und Panik, als Kummer und Sorgen.

Lebensfreude trotz Angst

Ich weiß selbst, dass wir, wenn wir an einer Angststörung und Panikattacken leiden, viel zu sehr auf das schauen, was belastend, einschränkend ist. Das ist aber nicht die Wirklichkeit unseres Lebens. Das ist die Szene, die unser dieser Regisseur Angst vorspielt. Sonst nichts. Das macht uns zum Sklaven der Angst, wir bleiben gefangen darin.

Ich weiß es, es gibt Möglichkeiten sich aus dieser Sklaverei zu befreien. Schritt für Schritt uns wieder mit dem Leben zu verbinden.

Wenn diese Webseite dazu beiträgt, dass sich auch nur ein Mensch ein wenig weniger allein fühlt, dann hat sie ihren Zweck erfüllt.

Meine persönliche Erkenntnis

Die wichtigste Erkenntnis meines bisherigen Weges lautet nicht, wie man Angst loswird. Die wichtigste Erkenntnis lautet, dass das Leben nicht auf uns wartet. Es beginnt nicht erst nach der Angst. Es beginnt nicht erst nach der Heilung. Es findet genau jetzt statt.

Natürlich wünsche ich jedem Menschen, dass seine Angst irgendwann immer weniger wird. Und, ich hoffe auch für mich selbst, dass manche Sorgen eines Tages endgültig verschwinden. Aber ich möchte mein Leben nicht mehr davon abhängig machen. Ich möchte nicht mehr auf einen perfekten Zustand warten, bevor ich mir erlaube, wieder Lebensfreude zu empfinden und glücklich zu sein.

Lebensfreude trotz Angst bedeutet für mich deshalb nicht, ständig fröhlich zu sein. Es bedeutet auch nicht, keine schlechten Tage mehr zu haben. Nein, es bedeutet vielmehr, dem Leben wieder Raum zu geben für das, was das Leben ausmacht. Freude, glücklich sein, entspannt und locker zu leben.

Und genau deshalb glaube ich heute mehr denn je: Lebensfreude trotz Angst ist möglich.

Mittlerweile bin ich 63 Jahre alt, und lebe seit 20 Jahren mit Angststörungen und Panikattacken. Ich spüre wir vergänglich das Leben ist. Viel zu lange habe ich mich von Angst und Panik einschränken lassen.

Diese Erkenntnisse, mit zunehmendem Alter, sind auch ein Ansporn, dass wir unser Leben trotz Angst und Panik genießen und unser Leben mit Freude leben.