Angststörung – Ich habe ständig Angst – Was kann ich tun?

Angststörung - Ich habe ständig Angst – Was kann ich tun?

Wenn die Angststörung plötzlich den ganzen Tag bestimmt

Bei mir fingen diese Angstzustände vor etwa 20 Jahren an. Erst nicht offensichtlich, es waren Angstgefühle. Ich konnte keinen Grund finden. Also verdrängt ich es. Im häufiger hatte ich Angst. Schon morgens nach dem Aufwachen, über den Tag hinweg, mal mehr, mal weniger. Ich konnte es nicht vorhersehen.

Besonders belastend sind dabei diese Erfahrungen mit der Angst, die ich selbst über viele Jahre erlebt habe. Es lief alles normal, und trotzdem war da dieses Gefühl von Anspannung, Unsicherheit oder drohenden Gefahr. Ich suchte ständig nach Erklärungen und analysierte meine Gedanken. Dann beobachtete ich meinen Körper und wollte herausfinden, warum die Angst wieder so stark war.

Mit der Zeit entstand bei mir das Gefühl, dass sich das gesamte Leben nur noch um die Angst dreht. Während andere Menschen ihre Aufmerksamkeit auf ihren Alltag, ihre Familie oder ihre Hobbys richten, beschäftigt man sich selbst immer wieder mit denselben Fragen. Was stimmt nicht mit mir? Warum bin ich so ängstlich? Warum werde ich nicht ruhiger? Wie kann ich dieses Gefühl endlich loswerden?

Warum eine Angststörung so erschöpfend ist

Angst kostet echt Energie. Nicht nur während einer Panikattacke oder in besonders belastenden Situationen, sondern auch dann, wenn sie unbemerkt schlummert. Viele Menschen mit einer Angststörung funktionieren nach außen völlig normal. Sie gehen arbeiten, kümmern sich um ihre Familie und erledigen ihre täglichen Aufgaben. Außenstehende bemerken oft gar nicht, welche Anstrengung hinter diesen scheinbar gewöhnlichen Dingen steckt.

So war es bei mir. Weder im Job noch privat haben Menschen es zunächst bemerkt. Ich habe die Situationen überspielt. Wenn mich jemand fragte: „Was ist los mit dir“, antwortet ich „alles okay, hab etwas Stress.“

Der eigentliche Kampf fand immer im Kopf statt. Gedanken kreisen um mögliche Gefahren, um körperliche Symptome oder um die Frage, ob sich die Angst jemals wieder bessern wird. Gleichzeitig entsteht oft der Wunsch, jede Unsicherheit loszuwerden. Man möchte sich wieder so fühlen wie früher. Entspannt. Unbeschwert. Sicher. Und, nicht ängstlich.

Genau dieser Wunsch ist auch nachvollziehbar. Aber, aus eigenen Erfahrungen weiß ich, dass genau der Wunsch, diese Angst loszuwerden, zu zusätzlichem Druck führen. Denn je verzweifelter man versucht, die Angst sofort zu eliminieren, desto mehr Aufmerksamkeit erhält sie. Viele Betroffene kennen das Phänomen, dass sie sich stundenlang mit ihrer Angst beschäftigen, ohne dadurch tatsächlich ruhiger zu werden. Statt Antworten zu finden, drehen sich die Gedanken oft nur weiter im Kreis.

Der Irrtum, auf den viele Betroffene hereinfallen

Wer ständig Angst hat, entwickelt häufig die Vorstellung, erst wieder leben zu können, wenn die Angst verschwunden ist. Und sagen: „Dann werde ich wieder reisen, mich mit Freunden treffen. Und Ausflüge machen. Dann werde ich das Leben wieder genießen. Werde wieder Freude haben und glücklich sein“.

Viele Jahre lief es genauso bei mir. Ich wollte diese Angst sofort loswerden, dachte immer und immer wieder darüber nach. Grübelte, recherchierte, las Berichte. Versuchte vieles, um mich endlich zu befreien von der Angststörung und der Panik. Aber, das Problem dabei ist, dass die Angst zu einer Art Voraussetzung dafür wird, dass wir endlich wieder glücklich sein können, unser Leben mit Freude leben dürfen. Erst wenn die Angst weg ist, soll das Leben weitergehen dürfen. Genau dadurch bekommt sie jedoch eine Bedeutung, die ihr eigentlich nicht zusteht.

Viele Menschen berichten rückblickend, dass sich etwas verändert hat, als sie aufgehört haben, auf den perfekten Moment zu warten, oder den Gedanken losgelassen haben „ich will endlich ohne Angst leben“.

So stellte auch ich fest, dass die Angst nicht zwangsläufig verschwinden musste, damit ich bestimmte Dinge tun konnte. Ein Spaziergang war auch mit Unsicherheit möglich. Das Treffen mit Freunden konnte trotz Angst stattfinden. Selbst ein Urlaub musste nicht abgesagt werden, nur weil die Angst mitreisen wollte.

Diese Erfahrungen wirken oft nicht besonders, oder klingen auf den ersten Blick nicht bedeutsam. Aber, gerade diese Erfahrungen können dem Gehirn zeigen, dass kein Grübeln und kein ständiges Analysieren vermitteln kann: Das Leben geht weiter, auch wenn Angst vorhanden ist.

Das zu verstehen, ist aus meinen Erfahrungen der wirklich erste Schritt.

Warum Vermeidung selten hilft

Wenn eine Situation Angst auslöst, erscheint Vermeidung zunächst logisch. Wer zuhause bleibt, muss sich der unangenehmen Situation nicht stellen. Wer absagt, spürt oft sofort Erleichterung. Wer einen Umweg macht, vermeidet den Stress des direkten Weges.

Kurzfristig fühlt sich das meist gut an. Langfristig entsteht jedoch häufig ein anderes Problem. Das Gehirn lernt nicht, dass die Situation harmlos war. Es lernt lediglich, dass die Flucht notwendig gewesen sein muss. Schließlich wurde die Situation ja vermieden.

Dadurch können sich immer neue Einschränkungen entwickeln. Was zunächst nur eine einzelne Situation betrifft, weitet sich manchmal auf andere Lebensbereiche aus. Die Angst wird dadurch nicht kleiner. Stattdessen erhält sie immer wieder die Bestätigung, dass ihre Warnungen berechtigt sein könnten.

Diese Vermeidungsverhalten habe ich jahrelang betrieben, sehr intensiv. Keine Einkäufe in der Stadt. Menschenmengen habe ich vermieden. Gesellige Zusammentreffen ebenfalls. Treffen mit Freunden waren schwierig. Ob privat oder im Job – das Vermeidungsverhalten wurde von mir ständig wiederholt. Aber, meine Angst wurde nicht besser, im Gegenteil. Auch in vielen anderen Situationen hatte ich plötzlich diese Angstzustände. Und das Vermeidungsverhalten wurde immer intensiver ausgeübt.

Genau deshalb besteht ein wichtiger Schritt darin, sich nicht von jeder Angstbotschaft leiten zu lassen. Nicht jede Befürchtung darf ernst genommen werden. Und auch muss nicht jede Sorge wahrgenommen werden. Manchmal lohnt es sich, einer Situation die Chance zu geben, anders zu verlaufen, als die Angst es vorhergesagt hat.

Und ja, die Angst hat wirklich nicht nur selten recht, sie liegt meistens falsch.

Warum Geduld wichtiger ist als schnelle Erfolge

Viele setzen sich selbst enorm unter Druck. Sie möchten möglichst schnell Fortschritte machen und erwarten von sich, dass die Angst bald verschwindet. Kommt nach einigen guten Tagen wieder eine schwierige Phase, entsteht schnell das Gefühl, versagt zu haben.

Tatsächlich verläuft Veränderung jedoch selten geradlinig. Es gibt Tage, an denen vieles leichter erscheint, und andere, an denen die Angst wieder mehr Raum einnimmt. Das bedeutet nicht, dass alle Fortschritte verloren sind. Es bedeutet lediglich, dass ein über längere Zeit belastetes Nervensystem nicht innerhalb weniger Tage oder Wochen vollkommen anders reagiert.

Wer ständig Angst hat, braucht deshalb oft weniger Selbstkritik und mehr Geduld. Niemand würde erwarten, nach jahrelanger Trainingspause innerhalb weniger Tage sportliche Höchstleistungen zu erreichen. Genauso wenig verändert sich die Art zu denken, zu fühlen und auf Belastungen zu reagieren von heute auf morgen.

Ich habe viele Rückschläge erlebt. Oftmals dachte ich „Yes, jetzt hast du geschafft, endlich keine Angststörung mehr, keine Panik“, manchmal ging es wochenlang gut. Dann zack, ein Rückschlag. Ich bin nachts aufgewacht, hatte seltsame Gefühle, die Panik stieg auf. Und diese Unsicherheit, die Angst war wieder da. Erklärbar war es nicht. Erst im Laufe der Zeit habe ich es verstanden. Meistens hatte ich tags zuvor Stress. Oder einen Konflikt. Etwas lief nicht so wie ich es mir vorgestellt habe. Ärger im Büro. Es gab immer diese Auslöser.

Meine Erfahrungen

Nach meiner Überzeugung besteht der wichtigste Schritt darin, den Blick wieder etwas stärker auf das eigene Leben zu richten. Statt ständig zu fragen, wie die Angst verschwinden kann, könnte die entscheidende Frage lauten: Was möchte ich heute trotzdem tun? Was würde mir jetzt, in diesem Moment Spaß machen? Woran habe ich Freude? Was gibt mir „positive Energie“? Was macht mich glücklich?

Diese Frage verändert die Perspektive. Das können echt ganz banale Dinge sein, wirklich. Es muss nicht „weltbewegendes“ sein. Nichts Besonderes. Viel wichtiger ist, dass nicht mehr die Angst im Mittelpunkt steht, sondern die aktive Gestaltung des eigenen Lebens. Vielleicht ist es nur ein kleiner Spaziergang. Vielleicht ein Telefonat, das lange aufgeschoben wurde. Oder ein Treffen mit einem Menschen, der einem wichtig ist. Oder etwas unternehmen, was du lange schon tun wolltest. Vielleicht einfach was Neues ausprobieren. Auch Mut zu etwas haben.

Solche Schritte wirken oft unscheinbar. Trotzdem sind es genau diese Erfahrungen, die vielen langfristig helfen. Nicht weil sie die Angst sofort verschwinden lassen, sondern weil sie zeigen, dass das Leben mehr ist als die Angst.

Mir haben solche Dinge wirklich geholfen. Mut etwas zu tun, Zuversicht zum Gelingen haben. Die Angst nicht verdrängen, sondern mit etwas zu überdecken, dass Spaß macht.

Mit der Zeit entsteht daraus etwas, das vielen Menschen lange gefehlt hat: Vertrauen. Hoffnung. Zuversicht. Nicht unbedingt das Vertrauen, niemals wieder Angst zu haben, sondern das Vertrauen, dass man auch mit Angst leben, handeln und seinen Weg weitergehen kann. Die Zuversicht, dass du erkennst, du schaffst es auch mit der Angst. Und auch die Hoffnung, dass du auf diesem Weg erkennst, dass du trotz deiner Angst wieder Freude und Glück empfinden kannst. Genau dort beginnt häufig die Freiheit, nach der so viele Betroffene suchen.

Bis ich diesen Weg erkannt habe, hat es einige Zeit gedauert. Und als ich aktiv geworden bin, habe ich gespürt, dass ich trotz meiner Angst vieles mehr schaffen kann, als ich dachte. Und, dass die Angst nicht meine Identität ist. Diese Angst bin nicht ich.

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